Vernetzen von Informationen im Gesundheitswesen: Fluch oder Segen?

Die Welt ist vernetzt: Informationen werden über E-Mail versandt, auf Laufwerken zur Verfügung gestellt, im Internet recherchiert, geteilt oder gespeichert. Warum sollte nicht auch der Gesundheitsbereich von den heutigen Möglichkeiten profitieren und die vorhandenen Daten besser nutzen um daraus seine Vorteile ziehen?


Nehmen wir an, innerhalb eines Krankenhauses wäre es möglich über eine zentrale Abfragestelle (einem Suchsystem wie von Internetseiten bekannt) umfassende Informationen zum gesuchten Begriff zu erhalten, und zwar abgestimmt auf den jeweiligen Arbeitsbereich wie Verwaltung, Ärzteschaft oder Pflege.


Verwaltung: Die ökonomische Sicht auf die Daten


Krankenanstalten müssen wirtschaftlich arbeiten, Einsparungspotenziale ausfindig machen, ohne die Qualität zu senken. Um umfassende retrospektive Betrachtung der Daten zu erhalten, ist es nötig das vorhandene Material entsprechend auszuwerten und daraus die optimalen Entscheidungen abzuleiten. Dazu müssen aber die vorhandenen Daten auch tatsächlich gefunden werden, was bei einer strukturierten Ablage meist kein Problem darstellt. Schwieriger wird es, wenn in die Betrachtung auch unstrukturierte Daten miteinbezogen werden sollen. Je umfangreicher der genutzte Datenpool ist, desto besser und genauer stellen sich Ergebnisse dar. Die Einsparungspotenziale manuell zu eruieren kostet wertvolle Zeit und bindet personelle Ressourcen. In der Privatwirtschaft nutzen Betriebe dazu Unternehmenssuchlösungen, die eine zentrale Abfrage von Daten erlauben und aufgeschlüsselte Ergebnisse meist bereits priorisiert liefern. Alle Informationen auf einen Blick sofort verfügbar - ein Szenario, das sich auch in der Krankenhausverwaltung mit der richtigen Lösung erreichen lässt.


Der Medizincontroller kann beispielsweise die Vollständigkeit der Leistungs- und Diagnosenkodierung mit vergleichbaren Fällen überprüfen. Veränderungen im Bereich der Arzneimittelverordnungen oder aufwändiger Therapien lassen sich mit einem geeigneten System über längere Zeiträume aufzeigen und auswerten. Neben der Übersicht auf die entscheidenden Daten lassen sich damit auch die konkreten Behandlungsfälle auflisten. Damit stehen neben den abgeleiteten Zahlen und Beispielsfälle rasch zur Verfügung.


Ärzte: Querschnittssicht / Horizontale Sicht auf Daten


Ein „Recherchetool“ unterstützt Suchmöglichkeiten bei seltenen Krankheiten oder ungewöhnlichen Behandlungsverläufen.


Ausgehend von der aktuellen Krankengeschichte lassen sich über integrierte Referenzkataloge und Thesauren, die etwa ICD10 Diagnosen und Medikamente „übersetzen“ passende Fachartikel in medizinischen Journalen finden: So können etwa aus der Kombination “Mammakarzinom“ und „Schwangerschaft“ auch internationale englischsprachige Artikel angezeigt werden.


Innerhalb des Krankenhausinformationssystems werden mit diesen intelligenten Suchsystemen auch nicht exakt gleich benannte, aber ähnliche Fälle ausfindig gemacht.


Entscheidungen zu Diagnosen und Therapien treffen diese Suchmaschinen natürlich nicht, das bleibt nach wie vor Aufgabe des Arztes. Aber sie bieten einen raschen Überblick zu bestimmten Themen, zeigen Querverweise auf und sind als optimales Instrument im Wissensmanagement einsetzbar. Damit kann internes Wissen, das sich in den Köpfen der erfahrenen Ärzte und in unzähligen Krankengeschichten wiederfindet ebenso rasch genutzt werden wie die umfangreiche Welt internationaler wissenschaftlicher Publikationen.


Bisher waren für wissenschaftliche Studien zeitraubenden Analysen von Krankenakten notwendig, um etwa Komplikationen oder Nebenwirkungen bestimmter Therapien und Operationsverfahren zu untersuchen. Ein intelligentes Suchsystem erlaubt auch hier ein rasches Durchforsten von Datenbeständen, unabhängig ob sich diese im Archivsystem, im Laborsystem oder spezifischen Abteilungssystemen befinden. Die optionale Anonymisierung von Patientendaten erlaubt auch die Nutzung umfangreicher Krankenakten für Studierende und Mediziner, die in Forschung und Wissenschaft tätig sind.


Umsetzungsmöglichkeiten


Krankenanstalten könnten zunächst Eigenentwicklungen erstellen und im eigenen Haus ausrollen. Darüber hinaus bietet sich die sich Möglichkeit an, die Lösung gemeinsam mit einem Krankenhauspartner unter sensibler Einhaltung des Datenschutzes zu entwickeln. Bei allen Varianten stellt sich die Frage, ob die investierten Kosten in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen stehen und die Lösung genau den Anforderungen entspricht. Viele Lösungen erscheinen zwar zunächst kostengünstig und passend, scheitern aber oft an der geforderten Zugriffs- und Rechteverwaltung. Eine Alternative zur Do-it-yourself Variante wäre, sich am Markt nach geeigneten Spezialisten im Bereich Suchlösungen umzusehen. Einige Anbieter bieten bereits optimierte Systeme für den Healthcare-Bereich an und befassen sich gerade intensiv mit der Thematik „Recherche im Gesundheitswesen“. Mindbreeze beispielsweise entwickelt Suchlösungen für Unternehmen, die auch speziell im Gesundheitswesen eingesetzt werden können. Eine physische Box (Appliance) wird mit einer sofort einsatzbereiten Lösung für die Suche nach Informationen als Komplettlösung ausgeliefert, die in das vorhandene Rechenzentrum integriert wird. Die Datenquellen werden mittels vorhandener Schnittstellen (Konnektoren) angebunden, dann liest und analysiert die Software die vorhandenen Informationen inklusive Berechtigungskontext von den Datenquellen aus. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Daten strukturiert oder unstrukturiert abgelegt sind. Die Anwendung bezieht die Informationen ein, egal ob Notizen in Arztbriefen, Patienteninformationen, Laborbefunde, Krankenakten oder E-Mails, und packt diese in einen Suchindex (ähnlich dem Stichwortverzeichnis in Büchern), der sich automatisch aktualisiert, wenn neue Informationen gespeichert werden. Dank dem Index als Nachschlagewerk, können die gesuchten Informationen rasch abgerufen werden und sind stets aktuell. Das medizinische Fachpersonal erhält damit beispielsweise eine konsolidierte Sicht auf den Krankenverlauf, die Medikationen oder eine Vielzahl anderer wichtiger Informationen zum aktuellen Fall. Das Rechtesystem spielt bei diesen Anwendungen -ob am PC oder mobilen Endgerät - eine zentrale Rolle: Berechtigungen werden bei jeder Abfrage geprüft, so wird sichergestellt, dass nur Personen mit der nötigen Autorisierung Informationen finden bzw. weiterbearbeiten können.


Intelligente Trefferliste


Die gefundenen Informationen werden nicht trivial aufgelistet, sondern logisch (semantisch) verknüpft, nach Relevanz sortiert und in einer Übersicht zur Verfügung gestellt. Zur besseren Orientierung zeigt die Lösung auch weiterführende Informationen wie vorhandene Bilder an und klassifiziert diese. Der Anwender kann direkt mit den Informationen weiterarbeiten, beispielsweise Dokumente öffnen, bearbeiten oder für die spätere Verwendung sammeln, ohne in das jeweilige Programm wechseln zu müssen. Filter (z.B. nach Medikation, Diagnosen oder medizinischen Leistungen) ermöglichen, die Suche weiter zu verfeinern. Beim Zugriff über mobile Endgeräte wird darüber hinaus eine Vorschau erstellt, mit der die Informationen gelesen werden, auch wenn die Anwendung nicht auf dem Gerät installiert ist.


Im Hinblick auf die zahlreichen Skandale rund um Datenklau und NSA sollten potentielle Anbieter genauestens geprüft werden, insbesondere der Umgang mit den vorhandenen Informationen, deren „Verlagerung“ auf fremde Server und mögliche Verwertungsoptionen durch den Anbieter.


Sensible medizinische Daten müssen in der Hand und vollständigen Kontrolle der medizinischen Einrichtung bleiben und nicht als zusätzliche Einnahmequelle des Anbieters missbraucht werden.