Published: November 15, 2013 - 08:00

Medizinische Geräte nahtlos in die Informationslogistik einbinden und klinische Prozesse ganzheitlich unterstützen

Krankenhäuser leiden nicht selten unter großen informationslogistischen Defiziten. Diese sind insbesondere das Ergebnis von Medienbrüchen, fehlender Interoperabilität von Systemen, organisatorischer Restriktionen und nicht nahtlos ineinandergreifender Prozessketten bzw. Behandlungsschritte. Das führt unweigerlich zu Mehraufwänden für das Fachpersonal und zu Effektivitätsverlusten bei den medizinischen und administrativen Prozessen. Schlussendlich fehlt die so „verlorene“ Zeit oft für die Behandlung, wodurch die Behandlungsqualität leidet.


Wie sieht ein informationslogistisches Szenario heute in Krankenhäusern aus?


Ein Ablauf, wie er täglich in Kliniken anzutreffen ist: Herr Fuchs kommt mit Brustschmerzen in die Notaufnahme. Routinemäßig werden ein EKG (Elektrokardiogramm), ein aktuelles Routinelabor sowie ein Röntgenthoraxbild gemacht. Alle in diesem Behandlungsverlauf involvierten medizinischen Geräte produzieren riesige Mengen hochwertiges Datenmaterial.


Was passiert nun weiter mit diesen Daten? Das EKG wird in Papierform erstellt und in der Patientenakte abgeheftet. Das Röntgenthoraxbild in einer separaten Hülle für den Patienten aufbewahrt. Die Ergebnisse der Routinelaboruntersuchung, wie der Befund der Blutanalyse, werden nach Fertigstellung oftmals noch manuell vom Fachpersonal in die elektronische Patientenakte (ePA) eingegeben und gespeichert, in vereinzelten Fällen können diese Daten nahtlos bereits elektronisch übernommen werden. Um alle Befunde des Patienten zu sichten und ein Gesamtbild zu erhalten, muss der Arzt drei verschiedene Dokumentenordner kontrollieren: Die ePA, die Papierakte (mit dem EKG) und das in der Hülle enthaltene Röntgenbild. Durch diese umständliche und zeitaufwendige Prozedur bleibt dem behandelnden Arzt noch weniger Zeit für den Patientenkontakt. Nach weiteren Untersuchungen, unter anderem einer Koronarangiographie steht fest, dass ein Eingriff nötig ist. Die relevanten Daten für die OP stehen teils in der Papierakte, teils über die ePA zur Verfügung. Ob bereits alle Daten zur Verfügung stehen, hängt davon ab, ob zum Zeitpunkt der Verlegung alle Papierbelege auf der Station eingegangen sind. Wenn nicht, müssen die fehlenden Papierbefunde auf die chirurgische Station nachgeschickt werden, das meist einen hohen logistischen Aufwand bedeutet.


Während der OP werden die erfassten Daten vom Anästhesisten dokumentiert und wieder in der Papierakte abgelegt. Nach der OP wird Herr Fuchs wird an Überwachungsgeräte und auch die Pumpen zur Verabreichung von Medikamenten und Nahrung angeschlossen. Die erfassten Daten werden wiederum in Überwachungsprotokollen vom Fachpersonal handschriftlich und in Papierform dokumentiert, ein Bogen pro Tag. Medikamente müssen auf jedem Bogen neu erfasst werden. Eine Übertragung erfolgt oft durch den Nachtdienst, der die Daten dann manuell überträgt. Dies ist zum einen fehleranfällig und zeitintensiv - eine Arbeitskraft pro Überwachungsstation für diese manuelle wiederkehrende Tätigkeit. In diesem Ablauf ist die umfassende Gruppe der AIMPs (aktive implantierbare Medizinprodukte) noch nicht berücksichtigt, die oft jede Sekunde viele Messpunkte generieren.


Vom Ziel, das jeder Akteur die richtige Information, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort zur Verfügung hat, ist dieser Ablauf noch weit entfernt. Zur Erreichung dieses Ziels müssen alle am Prozess beteiligten IT-Systeme integriert werden.


Wodurch entsteht dieses informationslogistische Defizit?


Der Trend im Bereich der IT-Systeme im Gesundheitswesen sind serviceorientierte Architekturen (SOA), um den meist historisch gewachsenen heterogenen IT-Strukturen Herr zu werden und trotz hoher Fragmentierung der eingesetzten Systeme eine einheitliche Informationslandschaft mit miteinander kommunizierenden Systemen zu erreichen. Aufgrund der vielen heterogenen IT-Strukturen in Krankenhäusern wirkt die Realisierung einer solchen Gesamtintegration sehr komplex.


Eine vielversprechende Gruppe internationaler Standards für den Austausch von Daten zwischen Organisationen im Gesundheitswesen, deren Softwareanwendungen und medizinischen Geräten, ist unter HL7 (Health Level 7) zusammengefasst. HL7 umfasst auch die Beschreibung eines XML-basierten Dialekts, beispielsweise dem ISO Standard HL7 CDA Release 2, mit dem Ziel eine „einheitliche“ Kommunikationssprache für den Datenaustausch zu ermöglichen und zu definieren wie die informationsgenerierenden Geräte und Softwarewerkzeuge miteinander kommunizieren. Dieser Standard wird von vielen Produkten bereits unterstützt, aber wie verhält es sich mit medizinischen Geräten? Medizinische Geräte bleiben in dieser serviceorientierten Architekturlandschaft leider noch oftmals unberücksichtigt. Die Anwendung des SOA-Paradigmas auf das Problemfeld der Integration medizinischer Geräte erscheint daher als logischer Schritt. Dies soll eine ganzheitliche Integration aller an den klinischen Prozessen beteiligten Informationsquellen und damit eine medienbruchfreie und durchgängige IT-Unterstützung von Prozessen ermöglichen.


Dieser Anwendungsfall ist auch für andere Branchen typisch und mit professionellen Enterprise Search und Datenintegrationswerkzeuge umfassend adressierbar. Oft unberücksichtigte Informationen medizinischer Geräte können wichtige Datenlieferanten sein, um in Echtzeit eine umfassende Gesamtsicht auf einen Patienten zu ermöglichen. Medizinische Geräte generieren viele strukturierte und teilweise auch unstrukturierte Daten. Enterprise Search Anwendungen beziehen diese Informationsquellen in eine gemeinsame Sicht auf die Informationen mit ein. Das kann einerseits die Sicht des Arztes auf einen Fall sein andererseits könnten diese Informationen verwendet werden, um typische Muster automatisch zu klassifizieren. Ansätze der positiven Rückkopplung von Informationen aus unterschiedlichsten Quellen um höhere Genauigkeit bei Klassifizierungen zu erzielen werden bereits intensiv erforscht. Moderne Enterprise Search Lösungen bieten Nutzen für Hersteller medizinischer Geräte und deren Kunden gleichermaßen. Hersteller profitieren von neuen Einsatzmöglichkeiten und sicheren Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Quellen im Krankenhaus. Das Fachpersonal wiederum profitiert von einer passenden Sicht auf die benötigte Information und eine zentrale Stelle zur Recherche, die auch die Informationen von medizinischen Geräten miteinbeziehen.