Quantified Self und demanding informed patient – Trends, die den Gesundheitssektor zunehmend digitaler machen.

Die Digitalisierung nimmt im Gesundheitswesen eine immer bedeutendere Rolle ein. Lesen Sie im Folgenden drei Trends, die im Jahr 2017 den Healthcare Sektor beeinflussen werden.

 

1. Die Globalisierung der Medizin bzw. medizinischen Leistungen

In Zeiten der Digitalisierung beschränken sich medizinische Leistungen nicht mehr nur auf lokale Krankenhäuser und Ärzte. Immer häufiger finden sich Anbieter, die von Krankenhäusern und Versicherungen unabhängig agieren. So können bspw. Röntgenbilder, Computertomographien (CT) oder Magnetresonanztomographien (MRT) auch von autonomen Einrichtungen angefertigt und die Erstellung der Befunde ausgelagert werden: Services, die eine Befundung auch auf internationaler Ebene zulassen.

Private Apps, Webseiten etc. aber auch zunehmend offizielle staatliche Dienste erlauben die meist kostenpflichtige Kommunikation via Telefon oder Internet mit dem entsprechenden Fachpersonal. Da entsprechende Regulierungen fehlen, werden lediglich „Beratungsdienste“ angeboten, aber der Weg zur Diagnostik ist nicht mehr weit.

 

2. Die Welt der „Quantified Self“

Millionen Nutzer weltweit zählen mit Fitnessarmbändern, Smartphones oder Smartwatches ihre Schritte, berechnen den Kalorienverbrauch und beobachten ihren Schlafrhythmus. Verschiedene Anbieter vertreiben eine große Auswahl an Fitnesstrackern, Apps und Wearables, mit dem Ziel ein umfassendes Bild über das persönliche gesundheitliche Befinden und Leistungsniveau zu liefern. Diese Technik ist zwar längst noch nicht ausgereift, dennoch sind exaktere Messsysteme und neue Geschäftsmodelle bereits am Horizont zu sehen. Das Jahr 2017 verspricht „intelligentere“ Lösungen durch eine Verknüpfung dieser Tools mit dem klassisch regulierten Gesundheitswesen.

Heute bieten bereits private Player ihre gesammelten Daten Gesundheitseinrichtungen anonymisiert an, um Trends zu analysieren.

Die Nutzung auch vom etablierten medizinischen System setzt aber voraus, dass diese Produkte und ihre Software einer gewissen Norm (Zertifizierungen) entsprechen, damit die Daten konform gängiger medizinischer Richtlinien gemessen, aufgezeichnet und analysiert werden können.

 

3. Demanding informed patient

Schon heute tritt der „informierte“ Patient zunehmend fordernd gegenüber Gesundheitsdienstleistern wie Krankenhäusern oder Ärzten auf. Das bedeutet einerseits, dass sich immer mehr Patienten vor dem Besuch Antworten aus dem World Wide Web holen. Die Diagnose von Dr. Google führt häufig zu Verzerrungen des Krankheitsbilds aber vor allem zur verfälschten Wahrnehmung von Symptomen. Dadurch kann die Diagnostik der Ärzte beeinflusst und kostenintensive Untersuchungen provoziert werden.

Auf der anderen Seite bedeutet diese fordernde Haltung auch, dass vielfach bereits vor dem Besuch beim Arzt oder dem Krankenhaus, der jeweilige Internetauftritt, das Leistungsspektrum sowie Bewertungen geprüft  werden. Damit rücken Gesundheitseinrichtungen plötzlich ins Rampenlicht und stehen auf dem Prüfstand wie ein Konsumprodukt.

Über Social-Media-Kanäle werden Erfahrungen und Leiden untereinander ausgetauscht und sorgen einerseits für eine Erleichterung im Umgang mit der Krankheit, andererseits werden unkontrolliert Ratschläge und subjektive Eindrücke vermittelt.

In Zukunft wird hier eine Professionalisierung von medizinischen Informationen stattfinden, die als privates Geschäftsmodell auftaucht oder als verlängerter Arm von bestehenden Einrichtungen unseres Gesundheitssystems.

 

Der Autor Dr. Adolf Sonnleitner ist Chirurg und IT-Spezialist und verantwortet bei Mindbreeze den Bereich Healthcare.