Kann Big Data Leben retten?

Veröffentlicht von The Huffington Post


Ein Forscherteam am Institute of Technology der Universität of Ontario arbeitet derzeit an einer Software, die Ärzten bei der Betreuung von Frühgeborenen helfen soll. Über dieses interessante Projekt schreibt Viktor Mayer-Schönberger in seinem Buch "Big Data. Die Revolution, die unser Leben verändern wird".

 

Die Software, von der die Rede ist, zeichnet die Patientendaten - 1.260 Datensätze pro Sekunde - auf und verarbeitet sie in Echtzeit. Der Clou: Die Big Data-Analyse konnte Korrelationen aufzeigen, die mitunter der vorherrschenden ärztlichen Meinung widersprechen. Sie fand nämlich heraus, dass es bei Frühgeborenen vor einer schweren Infektion zu einer starken Stabilisierung der Vitalfunktionen kommt - Stabilisierung nicht als Zeichen für Gesundheit, sondern quasi die Ruhe vor dem Sturm.

 

Die Daten zeigen nicht den Grund, warum es zu dieser eher unerwarteten Entwicklung kommt. "Was wir aber wissen, ist, dass erst durch die statistische Analyse einer gewaltigen Datenmenge dieser bisher unbekannte Zusammenhang offensichtlich wurde. Um es deutlich zu sagen: Big Data kann Leben retten", so Mayer-Schönberger.

 

Damit Daten Leben retten können, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen. Allen voran: Die Daten müssen zur Verfügung stehen. Das mag banal klingen, bezeichnet aber eines der großen strukturellen Probleme im heutigen Gesundheitswesen. Unbestritten, es werden in den medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern mehr Daten erzeugt denn je - Tendenz stark steigend. Die Daten kommen etwa von Laborbefunden, Arztbriefen und medizinischen Geräten.

 

Für den betreffenden Patienten stehen diese Informationen dem medizinischen Fachpersonal zur Verfügung. Ist die Behandlung jedoch abgeschlossen und der Patient entlassen, wandern diese Daten ins Archiv, wo sie für Jahrzehnte dahinschlummern und maximal für rechtliche Belange gehoben werden. Auf den Punkt gebracht: Alle medizinischen Erkenntnisse, die nicht von engagierten Mitarbeitern in Fachmagazinen publiziert werden, sind für die Allgemeinheit de facto verloren.

 

Es existiert in Krankenhäusern derzeit auch kein System, das die Daten, die innerhalb eines Klinikverbundes entstehen, verknüpft - die zweite Voraussetzung für ein lebensrettendes Datenmanagement. Erst durch die Verknüpfung von Millionen Datensätzen lassen sich Muster in den Krankheitsbildern erkennen, erfolgreiche Therapien herausarbeiten und Fehler, die einmal gemacht wurden, leichter vermeiden.

 

Was bedeutet das für das Informations- und Wissensmanagement des Krankenhauses? Die erfahrene medizinische Fachkraft hat dieses Wissen in jahrzehntelanger Arbeit angesammelt und benötigt in der Regel keine Big Data-Analyse. Was ist jedoch mit den Jungärzten?

 

Es gibt eine verblüffend einfache Lösung für dieses Problem. Sie heißt Enterprise Search und ist für den Klinikalltag wie geschaffen. Eine der Stärken von semantischen Enterprise Search-Lösungen liegt nämlich darin, Informationen aus höchst unterschiedlichen Datenquellen generieren zu können, seien diese strukturiert oder unstrukturiert, Machine-to-Machine-Data oder Bilddateien. Ein Enterprise Search-System als Big Data-Anwendung ist zudem prädestiniert dafür, die Daten intelligent zu nutzen. Dank des semantischen Unterbaus erkennt das System selbstständig und automatisch, ob es sich etwa bei einem Eigennamen, der sich in einem Arztbrief findet, um eine Krankheit oder ein Medikament handelt, klassifiziert den Begriff entsprechend und bereitet ihn damit optimal für eine Recherche durch das Fachpersonal vor.

 

Durch den Einsatz einer Enterprise Search-Lösung entsteht eine klinikinterne Informationsplattform, mit der sich all jene - und nur jene - Personen, die eine Zugriffsberechtigung haben, einen Überblick zu einer bestimmten medizinischen Fragestellung gewinnen können. Und das möglichst schnell, denn Geschwindigkeit ist oft die dritte Voraussetzung dafür, dass Daten Leben retten können. Damit wird die Suche nach Informationen oder Mustern wie beispielsweise jene nach Symptomen und den entsprechenden Diagnosen oft erst ermöglicht, da alle relevanten Daten zentral recherchiert werden können. Davon profitieren nicht nur Jungärzte, sondern all jene, die jemals medizinische Hilfe benötigen. Also wir alle.