Die Informationsflut mit Aussicht auf Besserung?

Patienten leiden unter ihren Krankheiten aber auch Krankenhäuser leiden – und zwar unter den informationslogistischen Defiziten. Diese werden durch fehlende Interoperabilität von Systemen, organisatorischen Restriktionen und nicht nahtlos ineinandergreifender Prozessketten bzw. Behandlungsschritte oder Medienbrüchen verursacht. Der Mehraufwand für das Fachpersonal steigt und damit einhergehen Effektivitätsverluste bei den medizinischen und administrativen Prozessen. Gibt es im medizinischen Bereich überhaupt Möglichkeiten diese Informationsflut aus unterschiedlichen Quellen übersichtlicher und einfacher zu gestalten und so „Big Data“ in den Griff zu bekommen?


Informationen im Sekundentakt produziert

Patienten treffen in der Notaufnahme ein und müssen sofort versorgt werden. Jeder Arbeitsschritt produziert Daten, die im Krankenhaus gespeichert werden und außer im direkten Zusammenhang mit dem Patienten keine weitere Bedeutung haben. Könnten diese Daten nicht besser genutzt werden beispielsweise um Muster zu erkennen oder einfach weil sich ein Kollege fortbilden möchte und gerne abgeschlossene Fälle näher studieren möchte.


Wenn beispielsweise Herrn Fuchs (fiktiver Patient) Brustschmerzen plagen – fährt er in die Notaufnahme. Routinemäßig werden ein EKG (Elektrokardiogramm), ein aktuelles Routinelabor sowie ein Röntgenthoraxbild gemacht. Alle in diesem Behandlungsverlauf involvierten medizinischen Geräte produzieren riesige Mengen hochwertiges Datenmaterial.
Was passiert nun weiter mit diesen Daten? Das EKG wird in Papierform erstellt und in der Patientenakte abgeheftet. Das Röntgenthoraxbild in einer separaten Hülle für den Patienten aufbewahrt. Die Ergebnisse der Routinelaboruntersuchung, wie der Befund der Blutanalyse, werden nach Fertigstellung oftmals noch manuell in die „elektronische“ Patientenakte (ePA) eingegeben und gespeichert. Um alle Befunde des Patienten zu sichten und ein Gesamtbild zu erhalten, muss der Arzt drei verschiedene Dokumentenordner kontrollieren: Die ePA, die Papierakte (mit dem EKG) und das in der Hülle enthaltene Röntgenbild. Eine zeitaufwendige Prozedur. Dem behandelnden Arzt bleibt weniger Zeit für den Patientenkontakt.


Vom Ziel, das jeder Akteur die richtige Information, zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort zur Verfügung hat, ist dieser Ablauf noch weit entfernt. Zur Erreichung dieses Ziels müssen alle am Prozess beteiligten IT-Systeme integriert werden.


Wodurch entsteht dieses informationslogistische Defizit?

Heute haben sich erst wenige Krankenhäuser mit der Problematik befasst und oft stecken die ersten Versuche in dieser Richtung noch in den Kinderschuhen. Der Trend im Bereich der IT-Systeme im Gesundheitswesen sind serviceorientierte Architekturen und Services, um den meist historisch gewachsenen heterogenen IT-Strukturen Herr zu werden.


Dieser Anwendungsfall ist auch für andere Branchen typisch und mit professionellen Enterprise Search und Datenintegrationswerkzeuge umfassend adressierbar. Oft unberücksichtigte Informationen medizinischer Geräte können wichtige Datenlieferanten sein, um in Echtzeit eine umfassende Gesamtsicht auf einen Patienten zu ermöglichen. Medizinische Geräte generieren viele strukturierte und teilweise auch unstrukturierte Daten. Enterprise Search Anwendungen beziehen diese Informationsquellen in eine gemeinsame Sicht auf die Informationen mit ein. Das kann einerseits die Sicht des Arztes auf einen Fall sein andererseits könnten diese Informationen verwendet werden, um typische Muster automatisch zu klassifizieren. Ansätze der positiven Rückkopplung von Informationen aus unterschiedlichsten Quellen um höhere Genauigkeit bei Klassifizierungen zu erzielen werden bereits intensiv erforscht. Moderne Enterprise Search Lösungen bieten Nutzen für Hersteller medizinischer Geräte und deren Kunden gleichermaßen. Hersteller profitieren von neuen Einsatzmöglichkeiten und sicheren Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Quellen im Krankenhaus. Das Fachpersonal wiederum profitiert von einer passenden Sicht auf die benötigte Information und eine zentrale Stelle zur Recherche, die auch die Informationen von medizinischen Geräten miteinbeziehen.


Eine etablierte Gruppe internationaler Standards für den Austausch von Daten zwischen Organisationen im Gesundheitswesen, deren Softwareanwendungen und medizinischen Geräten, sind unter HL7 (Health Level 7) zusammengefasst. HL7 umfasst auch die Beschreibung eines XML-basierten Dialekts, beispielsweise dem ISO Standard HL7 CDA Release 2, mit dem Ziel eine „einheitliche“ Kommunikationssprache für den Datenaustausch zu ermöglichen und zu definieren wie die informationsgenerierenden Geräte und Softwarewerkzeuge miteinander kommunizieren. Dieser Standard wird von vielen Produkten bereits unterstützt, aber wie verhält es sich mit medizinischen Geräten? Medizinische Geräte bleiben in dieser serviceorientierten Architekturlandschaft leider noch oftmals unberücksichtigt.


Ein weiterer Schritt zur Vernetzung könnte auch die Verabschiedung des neuen Standards ITU-T H.810 für die Kommunikation von medizinischen Geräten sein. Durch den neuen Standard soll der Datenaustausch etwa zwischen Blutdruckmessgeräten, elektronischen Waagen und Fitness-Trackern mit drahtlosen Schnittstellen vereinheitlicht werden. Zusammen eine große Chance die ganzheitliche Integration aller an den klinischen Prozessen beteiligten Informationsquellen und eine durchgängige IT-Unterstützung von Prozessen zu ermöglichen.


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Diese Fallbeschreibung ist fiktiv, alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig.