Datability im Gesundheitswesen

Im März traf sich die IT-Branche in Hannover zur CeBIT unter dem Leitthema „Datability“. Die Veranstalter verknüpfen damit vor allem die Aspekte "Sustainability", also die Nachhaltigkeit, aber auch "Responsibility", sprich der verantwortungsvolle Umgang mit den Daten, und kommen so auf folgende Definition von Datability: "Die Fähigkeit, große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit verantwortungsvoll und nachhaltig zu nutzen." Ein Thema, dass im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung gewinnt.


Was in vielen Unternehmen heute zum (IT-)Alltag gehört steht im Gesundheitswesen noch am Beginn. Unternehmen finden ihre Informationen mit Unternehmenssuchlösungen (Enterprise-Search-Lösungen). Dabei werden die gespeicherten Daten aus den unterschiedlichen Datenquellen wie Fileshares, Cloud-Speicher, E-Mails usw. analysiert, semantisch verknüpft und aufbereitet. Die Abfrage erfolgt wie bei einer Website-Suche, Begriff eingeben und schon werden die relevanten Informationen im richtigen Zusammenhang aus allen Datenquellen angezeigt. Der Suchende erhält eine 360-Grad-Sicht und kann sich rasch einen Überblick verschaffen. Die technischen Möglichkeiten sind vielfältig, aber nicht jede Möglichkeit sollte genutzt werden. Der verantwortungsbewusste Umgang mit Daten muss immer im Vordergrund stehen.


Daten verantwortungsvoll nutzen


Täglich werden Millionen Daten aus den unterschiedlichsten Quellen gesammelt. Diese reichen von den Nutzungsdaten von Smartphones bis zu Vorlieben zu bestimmten Produkten. Mit Analysetools ist es ein leichtes, völlig unterschiedliche Informationen miteinander zu verknüpfen und damit ein umfassendes Profil anzulegen.


In Gesundheitsbereich verhält es sich ähnlich, jeden Tag werden große Datenmengen von unterschiedlichen medizinischen Geräten produziert, Arztbriefe, Diagnosen, Patientendaten elektronisch abgelegt oder Medikationen gespeichert. Die Informationen existieren meist autark in unterschiedlichen Systemen und Querverweise fehlen. Es ist klar, dass den Möglichkeiten, die bei der Verknüpfung der vorhandenen (Gesundheits-)Daten entstehen Grenzen gesetzt werden müssen und stets die Berechtigung erzwungen sowie Zugriffe protokolliert werden müssen. Im Gesundheitswesen bedeutet dies beispielsweise Lösungspartner sorgfältig auszuwählen, da diese Anwendungsfälle noch in den „Kinderschuhen“ stecken. Daher ist es wichtig, dass die entsprechenden Funktionen, welche Big Data- bzw. Enterprise Search-Lösungen standardmäßig mitbringen, auch im Gesundheitsbereich genutzt werden können. Dazu gehören beispielsweise eine umfassende Rechteverwaltung, damit nur jene Mitarbeiter, die dazu befugt sind, sensible Daten sehen können, sowie die Möglichkeit, personenbezogene Daten zu anonymisieren oder ein mehrstufiges Anmeldeverfahren (Authentifizierung) zum Beispiel neben der E-Mail-Adresse und Passwort eine Mobile PIN, ein Zertifikat oder seine Bürgerkarte bzw. Digital ID.


Daten nachhaltig nutzen

Der verantwortungsvolle Umgang von Daten liegt also auf der Hand, doch was bedeutet "nachhaltige Nutzung von Daten"? Dafür ist es hilfreich, sich die Funktionsweise von Enterprise Search-Lösungen vor Augen zu führen.


In einem ersten Schritt werden die Daten mit Hilfe von Crawlern aus den unterschiedlichsten Datenquellen exportiert und mit Hilfe von Filterservices zu einem konsolidierten Datenstrom gewandelt. Dabei ist es egal, aus welcher Quelle diese Daten stammen, das kann Freitextfeld im Arztbrief sein, ein Notfallhandbuch (z. B. Emergency-Guide, Neuro-Guide), Daten aus einem Diagnosegerät oder ein Arzneimittelverzeichnis. Moderne Enterprise Search-Lösungen unterstützen viele Dateiformate. Der konsolidierte Datenstrom wird schließlich an die Indizierung weitergeleitet. Die zweite Besonderheit, die den Unterschied von Enterprise Search-Lösungen zu klassischen Wissensmanagementsystemen auf Basis von Datenbanken ausmachen, ist die Datenablage in intelligenten Strukturen, die es erlauben, bei einer Suchabfrage sehr schnell auf die Daten zuzugreifen, während in einer Datenbank die Daten oft ineffizient gescannt werden müssen, was für die Geschwindigkeit nicht wirklich zuträglich ist. Als gleichsam die Krönung des Prozesses bei Enterprise Search steht die semantische Analyse bei der Informationen „veredelt“ und verknüpft werden, um bestehende Zusammenhänge zu nutzen und neue Zusammenhänge sichtbar zu machen. So können beispielsweise über Informationen wie Medikation, Krankheitsbild, ICD-10 Klassifizierung usw. rasch Gemeinsamkeiten zwischen Krankheitsverläufen erkannt und analysiert werden – und das über alle Abteilungs- und Softwareanwendungsgrenzen hinaus. Das hier erworbene Wissen wendet das System auf nachfolgende Datenströme an und kann auf diese Weise die Qualität der Analyse stetig verbessern. Damit gilt Enterprise Search als selbstlernendes System. Zudem erlauben Mobile Clients den raschen Zugriff selbst auf Tablets oder Smartphones im Krankenhausumfeld.


Übertragen auf das Gesundheitswesen könnte das bedeuten: Ärzte, Klinikmitarbeiter oder Pflegepersonal können sich mit einer Abfrage rasch einen Überblick zu selten vorkommenden Fällen verschaffen (retrospektive Betrachtung). Durch die Verknüpfung der Daten kommen vielleicht Zusammenhänge ans Licht, die sonst nicht aufgefallen werden. Mit intelligenten Suchlösungen ist es auch im Gesundheitswesen möglich, einen Mehrwert aus den vorhandenen Daten zu ziehen und das Personal von zeitraubenden manuellen Recherchetätigkeiten freizuspielen. Darüber hinaus können diese Lösungen als Wissensplattform genutzt werden, um sich rasch einen Überblick über Symptome / Diagnosen / Medikation zu verschaffen.


Erste Ansätze, Enterprise Search Lösungen im Gesundheitswesen einzusetzen existieren bereits. Die Jahrestagung von HL7 Austria im März 2014 in Wien dreht sich um Aspekte der Sicherheit und des Datenschutzes in der e-Health-Kommunikation und deren unterstützende Standards. Bei der Veranstaltung stellten Dr. Christian Gierlinger von der Vinzenz Gruppe in Österreich und Daniel Fallmann eine Intelligente Suchmaschine in einer ELGA-Umgebung vor. ELGA steht für elektronische Gesundheitsakte in Österreich, auf dieser ab Januar 2015 sämtlich Patientendaten gespeichert werden.


Dennoch ist wichtig, einen Diagnosevorschlag erstellen diese Systeme heute nicht, sie helfen dem Klinikpersonal aber rasch einen Überblick zu einer bestimmten Thematik zu erhalten und zeigen Zusammenhänge und Querverbindungen auf, die sonst manuell recherchiert werden müssen, darin liegt auch der große Mehrwert. Intelligente Suchlösungen sind mit einem Brunnen gleichzusetzen, aus dem beliebig viel an Wissen geschöpft werden kann und der niemals versiegt.


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